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Rheintal14.12.2021

Das Rheintal als «Zentrum Europas»

Das Alpenrheintal gehört zu den exportorientiertesten Regionen Europas. Dieses «Precision Valley» hat sich zu einem der innovativsten High-Tech-Standorte entwickelt – und dennoch hat es in breiten Kreisen das Image einer eher unbekannten und wenig attraktiven Transitregion.

 

Das Alpenrheintal war und ist eine Grenzregion mit all ihren Vor- und Nachteilen. Einst ein von regelmässigen Überschwemmungen gezeichnetes Armental, hat es erst nach der Einführung der Eisenbahn und der Rheinregulierung einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt. Dies ist einer guten Mischung von einheimischen und «importierten» Unternehmerpersönlichkeiten zu verdanken – wie zum Beispiel Heinrich Wild, der 1921 von Jena her kam. Diese Gründer wiederum konnten auf Mitarbeiter zählen mit der richtigen «DNA». Der Rheintaler ist charakterisiert durch Präzision, Zuverlässigkeit und internationale Orientierung.

 

Hightech-Cluster ohne Grenzen

Im Rheintal ist über die Grenzen hinweg ein Hightech-Cluster entstanden. Gemäss einer Erhebung der EU zählt die Region zu den wettbewerbsfähigsten in ganz Europa. Damit dieser Trend nicht abbricht, haben alle drei Länder kräftig in die Bildung investiert und anwendungsorientierte Hochschulen gegründet oder aufgewertet. Neben der erwähnten NTB entwickelt sich die Fachhochschule Vorarlberg in Dornbirn in den Bereichen Wirtschaft, Technik, Gestaltung und Soziales mit rund 1200 Studenten in Bachelor- und Masterstudiengängen.

Schliesslich ist auch die aus der Fachhochschule Liechtenstein entstandene Universität zu nennen, die die Region mit Abgängern in Gebieten von Architektur, über Betriebs- und Wirtschaftslehre bis hin zu «Banking and Financial Management » versorgt. 2013 wurde von den Trägern Fürstentum Liechtenstein und Kanton St.Gallen das RhySearch, das Forschungs- und Innovationszentrum Rheintal in Buchs, gegründet. RhySearch soll Unternehmen im Alpenrheintal mit Forschungsinstitutionen in der Schweiz und in Liechtenstein vernetzen. Insbesondere KMU soll der Zugang zu Forschungsinstitutionen erleichtert werden, da oftmals auch in diesen Belangen das Rheintal etwas «weit weg vom Schuss» ist.

 

Vom Rheintal in die ganze Welt

Einige weltbekannte Unternehmen sind im Alpenrheintal beheimatet wie Leica Geosystems, Hilti, Liebherr, Doppelmayr aber auch viele sogenannte «Hidden Champions», die in einer High-Tech-Nische Weltmarktführer sind. Wer weiss etwa, dass Miniaturschrauben von SFS Heerbrugg in jedem iPhone verschraubt sind, dass VAT in Haag Weltmarktführer in Vakuumventilen für die Halbleiterindustrie ist, dass in vielen IKEA-Möbeln Beschläge von Blum in Höchst montiert werden oder dass die Firma Alpla – vormals «Alpenplastik Lehner Alwin OHG» – in Hard im Bereich der Kunststoffverpackung als internationaler Technologieführer gilt? Und schliesslich, quasi als «Trivia» oder «Schmankerl»: Das gesamte Red Bull für den amerikanischen Markt wird in Widnau bei der Rauch Trading AG produziert und abgefüllt – «veredelt» mit Widnauer Grundwasser. Mittlerweile sind das geschätzte 3,5 Milliarden Dosen pro Jahr. Seit 2015 werden die Aluminiumdosen direkt daneben von der Firma Rexam PLC in einem neu gebauten Werk produziert. 

Werden das St.Galler Rheintal, Liechtenstein und Vorarlberg sowie die Regionen Sarganserland-Werdenberg und Rorschach zusammengezählt, so werden jährlich aus dem Alpenrheintal Güter im Wert von gegen 20 Milliarden Franken ins Ausland exportiert. Das ist fast so viel, wie der Kanton Zürich jährlich an Ausfuhren tätigt. 

 

Präzision ist aber nicht nur im Kleinen gefragt. Im Alpenrheintal finden sich auch ein paar Unternehmen, die ganz Grosses erzeugen. So betreibt der Liebherr-Konzern in Nenzing ein Werk für die Herstellung von Baumaschinen und maritime Kräne. Wer würde auf der Fahrt auf der Walgauautobahn Richtung Arlberg auf der rechten Seite plötzlich eine Herde hochgewachsener Hafenkräne erwarten? Zu den «Grossen» gehören aber auch die Firma Doppelmayr in Wolfurt, Weltmarktführer im Bereich Seilbahnen, oder die Künz GmbH in Hard, eine Marktführerin in Containerkrananlagen. Schliesslich sei aber auch die Menzi Muck AG in Kriessern mit ihren hochgebirgstauglichen Baggern zu nennen.

 

Der vollständige Artikel finden Sie unter rheintal24.

Prof. Dr. Eugen Voit von Leica Geosystems AG war Präsident des Unterstützungsvereins von RhySearch, dem Forschungs- und Innovationszentrum Rheintal. Bild: Thomas Hary